A Tango for You

Originaltitel: Ein Tango für Dich. Tonfilmoperette 1930; 102 min.; Regie: Géza von Bolváry; Darsteller: Willi Forst, Fee Malten, Ernő Verebes, Oskar Karlweis, Paul Otto, Aenne Görling; Super-Tobis-Film.

Ein Parketttänzer verliebt sich ernstlich in ein Pensionatsmädel, das ihn für einen berühmten Jazzsänger hält. Dieser entpuppt sich schließlich aber als ihr bisher unbekannter Vater, der aber den Bund seiner Tochter mit dem Tänzer segnet…

Zusammenfassung
Im Tivoli-Kabarett soll heute abends der berühmte Jazzsänger Maxim Merblanc auftreten. Jimmy Bolt, seines Zeichens Universalfaktotum des Hauses, erhält den Auftrag, den illustren Gast zu begrüßen. Alles wartet auf das Erscheinen Merblancs, als plötzlich die Nachricht eintrifft, daß der Sänger sich auf der Fahrt erkältet habe und erst am nächsten Tage vor sein Publikum treten wolle. Nun muß Jimmy als Ersatz einspringen und er zieht sich mit großem Geschick aus der Affäre und erntet den Beifall des anfänglich stark enttäuschten Publikums.
Unter den Gästen, die Jimmy begeistert applaudieren, befindet sich auch Mady Smith, die sich heimlich aus dem vornehmen Pensionat geschlichen hat. um den schon durch viele Jahre verehrten Sänger Merblanc persönlich singen zu hören. Bisher hatte sie nur Gelegenheit, seine herrliche Stimme durchs Grammophon zu genießen. Mady kommt zu spät, erfährt nichts von der Vertauschung der Rollen und hält Jimmy für den berühmten Mann. Sie verliebt sich sofort in ihn, und als sie nachher am Künstlerausgang Jimmy um ein Autogramm ersucht, fängt auch der junge Mann Feuer. Er läßt das Mädchen zuerst in dem für ihn so schmeichelhaften Glauben, daß er der gefeierte Merblanc sei. In einem Biergarten feiern die glücklichen jungen Leute Verlobung.
Als Mady heimkommt, erfährt sie, daß man ihr nächtliches Ausbleiben bemerkt hat und daß ihr Vater, von dessen Existenz sie nur durch seine dauernden Geldsendungen weiß, in der Stadt eingetroffen sei und sie zu sich nehmen wolle. Als zwischen Vater und Tochter die erste Aussprache stattfindet, lehnt Madys Vater den Parkettänzer als künftigen Schwiegersohn ab. Mady ruft verzweifelt Jimmy an und ersucht ihn, alles zu unternehmen, damit er noch einmal auftreten könne und ihr Vater sich überzeugen könne, welch vorzüglicher Künstler und Mensch er sei. Jimmy gelingt es auch, Merblanc zu bewegen, ihn nochmals für ihn auftreten zu lassen. Und als am Abend Jimmy ein eigenes Lied zum Vortrag bringt, da ist Madys Vater der erste, der dem jungen Künstler applaudiert und seine Tochter zu ihrer Wahl beglückwünscht, Madys Vater, der niemand anderer ist als – der scharfsinnige Leser wird es schon erraten haben – der berühmte Sänger Maxim Merblanc selbst.

Kritik (E. J., Film Kurier #181, 08/02/1930):
Der Inhalt dieses Films ist schmal wie sein Titel, will keine- feierlichen Ansprüche erheben, kommt nun in den breiteren Takten des Tango, wo er bei seinem Vorgänger und Vorbild im Dreivierteltakt einherwallte. Ganz wieder auf Herztöne eingestellt und auf musikalischen Humor.
Es gelingt ein zweites Mal diesem Haimann-Ensemble, was man eben nur mit musikalischen und lustigen Leuten durchführen kann, eine little story, ein Nichts von Geschehen, zwei Tage aus dem Parketttänzermilieu mit einer sanften Liebes- und Verlobungsaffäre zu einem wohlgelaunten, heiteren und musikgetragenen Operettchen auszuarbeiten. Jene glückliche Haltung zwischen Improvisation und dramaturgischer Ueberlegenheit, Milieufülle und lockerer Szeneführung, die Abgewogenheit zwischen Leicht und Schwer aber, die dem Tonfilm den gewaltigen Vorrang vor der Bühnenoperette gibt – sie ist auch diesmal wieder getroffen.
Reischs Geschichte ist die Naivität selbst, aber wenn man sich auf die Weltliteratur (und auf die Operettenlibrettis) besinnt . . . was geht schon in „Lohengrin” vor ? Weniger hier auch nicht, das Mädchen ohne Vater in der Pension, das doch ihren Vater findet, der ihr den Verlobten bewilligt, obwohl sich dieser Nam’ und Art eben ihres Papas, des berühmten amerikanischen Schallplattenbeflüsteres unfreiwillig zulegen läßt, hat mit Elsa von Brabant das entwaffnend Harmlose an sich, es geht eben nur anders aus und statt der Gralserzählung wird hier die berühmte große Tango-Erzählung zelebriert, das „Märchen vom Glück“ zwischen Moll und Dur.
Das musikalische „Wie“ gibt den Ausschlag. Wer bisher auf Robert Stolz gebaut, bezog die richtige Operettenkost für Ohr- und Herzeingang der gewöhnlichen Sterblichen, diese traditionelle Schlagermusik, bei der jede Note an der bewährtesten Stelle steht und die Musternummern nur so hingelegt werden. Diese Routine des Musikanten verbunden mit dem Schaumannverstand der Mitarbeiter Haimanns vom Film her, bringen eine Inszenierung zustande, die keinen Wunsch offen läßt. Es ist die ideale Operettenweise für die Urahne bis zur Amme.
Das Arrangement dramaturgisch-technisch bezwingt, auch wenn bei einzigen Wiederholungen und dem unnützen Zwei-Verse-Längen der Rytyhmus des Films gelegentlich stockt.
Filmische Reize: Geschmackvolle Bauten des Vergnügungspalastes. des Bayerischen Bierzeltes, der Artistenbuden (Neppach und Scharf), Willy Goldbergers glanzvolle Photographie – hübsche Einzelheiten der szenischen Führung, ein Liebesduo in der Baumkrone, die Szene am Buchkaren, die Tennisplatzspielchen, man sucht mit Geschick von der gewöhnlichen pantomimischen [illegible]zukommen. Auch im Rahmen des Hergebrachten viel Geschmackvolles: Die Glockenszenen der Revue (Kostüme Professor Kaiser, Tänze: Heinz Lingen) – das kommt nicht übermäßig pompös, doch in bester Form heraus. Nette tonfilmische Witzchen dabei, kleine Musikscherze schnell bei der Hand.
Besonders dankbar und ergiebig also die Musik, der „Stolz” der Firma. Mit guten Kapellen (Lowis Ruth Band und Juan Llosses), illustriert Robert Stolz seine Schlager, die Ton-Aufnahme bringt Fritz Seeger, der Tonmeister voll befriedigend, namentlich im Instrumentalklang oft sehr fein empfunden.
Geza v. Bolvarys Regie sachlich-ordentlich, Pech hat er nur mit seinem Pensionatsensemble gehabt, das dilettantische Getue am Anfang stört beträchtlich. Haben wir nicht hübsche Mädels genug in Berlin ? Auch Fee Malten ist kein Star, sie ist weder mit ihrer sprachlichen Können noch mit ihrer Frisur ganz fertig geworden. Sie ist keine Partnerin für Forst – –
– der denn wieder den deutschen Jazzsänger (mit der großen eigenen Zukunft im Herzen) auf die Leinwand bringt. Wir haben kaum einen zweiten Darsteller, der auch den Unsinn auf eine so natürliche Art glaubhaft macht und Alkohol aus Riesengläsern auf so drollige Art konsumiert, daß mans für alltäglich und lobenswert hält. Das Unwahrscheinliche wird durch ihn selbstverständlich, das ist das beste Zeichen des großen Talents. Er ist vorläufig noch ein Draufgänger, bei dem sein Temperament die Selbstsucht besiegt, doch sein Drauflos-Redetalent kommt nun wieder dem Tonfilm zustatten.
Er ist ein beredter Advokat seiner Gstalten, sie sprechen aus ihm in allen Frequenzen, mit Herz und Verstand, Jugend und Ironie. Ein harter, überlegener Regisseur wird einen Weltstar aus ihm machen, dem deutsch-österreichischen Chevalier.
Neben ihm in einiger Entfernung Oscar Karlweiß, der etwas gestolzt in allzu gestellten Szenen seine Liedchen vorträgt von der Garbo und dem Töchterlein, Ernst Verebes, vom Publikum bejauchzt, noch etwas unbeholfen vor dem Mikrophon, Paul Vincenti und Anne Goerling, der grollende Lindwurm, eine Mikrophonbereicherung.
Stummer Gruß der Pantomime: Die Tänzerin Edith Herrmann-Röder.
Freundlicher, verdienter Beifall.

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