Once You Give Away Your Heart

Originaltitel: Wenn du einmal dein Herz verschenkst… (Der Vagabund vom Äquator.) Komödie 1930; 84 min.; Regie: Johannes Guter; Darsteller: Lilian Harvey, Igo Sym, Karl Platen; Ufa-Klangfilm.

In einer Hafenstadt Borneos schmuggelt sich eine Waise auf das Schiff eines Reeders, in den sie sich verliebt. Nachdem einer seiner Konkurrenten versucht, das Mädel zum Diebstahl eines Geheimvertrages zu verleiten, wird es die Frau des Reeders.

Zusammenfassung
Im Hafen von Sumatra liegt ein Dampfer, und an Bord zeigt der unternehmungslustige Steward Bobby Filmvorführungen. Auch Dolly, die blonde Tochter eines Plantagenaufseihers, besucht das Kino. Hätte sie es nur nicht getan ! Denn nach der Filmvorführung wird sie recht unglücklich. Oh ! diese Sehnsucht jetzt nach „europäischen“ Lebens- und Liebesverhältnissen ! Viel Zeit zum Überlegen bleibt ihr nicht, denn der Dampfer des Reeders Bruns ist im Begriff, zur Heimfahrt klarzumachen. Sie schmuggelt sich einfach in den Schiffsrumpf ein und harrt der Dinge, die da kommen sollen. Sehr schön sind die Dinge, die ihr zuerst zustoßen, gerade nicht, aber was soll man tun, wenn der Dampfer schon auf hoher See schwimmt ?
Als der Dampfer im Hamburger Hafen anlegt, setzt sie dem verliebten Bobby so lange zu, bis er ihre Flucht von Bord ermöglicht. Bei ihren Irrfahrten in der Großstadt richtet nun Dolly viel Unheil an, bis sie in die Hände von Bruns Konkurrenten gerät, die das naive Menschenkind als Instrument ihrer dunklen Machenschaften mit allen möglichen Verlockungen zu mißbrauchen gedenken. Sie haben aber nicht gewußt, daß sie Bruns abgöttisch liebt, und nun vereitelt sie natürlich den bösen Plan der Konkurrenz und bringt sich auf Bruns Dampfer in Sicherheit. – Ihr größter Lebenswunsch geht hierbei in Erfüllung, sie wird die Frau des Reeders, der ja sowieso unverheiratete Frauenzimmer nicht an Bord dulden konnte.

Kritik (E. J., Film Kurier #017, 01/18/1930):
Starfilm der Lilian Harvey. Der Erfolg ist im Reich schon ausprobiert. (Kassenschlachten in Stettin ! ) Jetzt wird er mit einer sicher sehr willkommenen Musikbeigabe geliefert.
Alles um Lilian – man soll sie sehen und über sie lachen, mehr will der Film nicht; ihr Persönchen und ihren Unfug, ihre Beweglichkeit und die mimischen Späße – damit soll’s getan sein. Die jungen Mädels lachen, die alten Herren lachen, zum Schluß riesiger Beifall und Freudenspektakel. Na also.

Robert Liebmann, der Autor, treibt Lilian Harvey in die verwegensten Situationen – mal wird das Höschen genäht, mal die Feuerwehr alarmiert. In Teneriffa beginnt es mit einer ungewöhnlich ulkigen Plantagen-Kintoppvorführung. Viel parodistischer Sinn dabei. Robert Liebmann möchte eben mal was anderes zeigen. Sehr löblich, daß er auf die ausgewalztesten Situationen verzichtet.
Auch als Matrosenbubi zeigt sich Lilian im nicht alltäglichen Milieu, sie fegt aus dem Deck umher, ein losgelassenes Klabauterfräulein, fällt ins Teerfaß, schmiert mit Seife, putzt in luftiger Höhe den Schiffsventilator – und kann einen herrlichen Kaffee kochen.
Ihr guter Kaffee bringt nach einem Ausflug ins Europaland, dorthin, wo es Kaviar ißt, Sekt trinkt, verführerisch und sinnlich (wie ehrsame Filmfräuleins) ist, die Verrohung zustande.
Es ist eine Geschichte aus Kintoppanien. Mit gestohlenem Dokument und allerlei mutwilligen Faxen. Die Männer sind gottlob nicht schlecht in dieser Welt, sie bewilligen Diamanten aus unerschöpflichen Geldtaschen, Kleider und Perlen. (Es ist ein Märchen.)

Lilian Harvey – ein Peter Pan der Posse. „Wildfeuer“ hieß das früher. Ein junger, gelenker Mädchen-Spaßmacher – auch mit mäßigerem Requisit.
Produktionsleiter Stapenhorst und Regisseur Guter haben sogar für sehr hübsche Requisiten gesorgt. Die Posse verläuft ohne Unfälle. An der Kamera: Fritz Arno Wagner. Bauten: Jack Rotmil und Heinz Fenchel. Insgesamt: Gute Ufa-Klasse.
Ungezwungen und gelockert das Ensemble um den Star: Igo Sym, Harry Halm, Sascha Alexander (oder heißt er Alexander Sascha), Karl Platen, Rudolf Diebrach und viele andere.
Schmidt-Gentners Tonfilmmusik: Sie deckt sich mit dem Film, der Abwechslung und Spannung hat und vor allem nicht kurzatmig wirkt. Die Musik hat eben diesen Fluß, wenn sie auch in der Illustration selbst mit Althergebrachtem arbeitet.
Willi Rojens Schlager hat durch Schmidt-Gentner einen Konkurrenten im Film: „Heimlich kommt zu uns die Liebe“. Beide Weisen hört man singen. (Ob es weise war ? Nun es stört nicht. Aber man sollte nicht jeden Filmschauspieler sprechsingen lassen.)
Der Orchesterklang befriedigt durchaus, hat viele dynamische Reize, obwohl er sich in der Wirkung fast auschließlich auf den vollen Ton des Streichorchesters stützt. Diese Partien haben den gewohnten Schmidt-Gentnerschen Schwung. Sie werden im Tonfilm-Kino darum besonders gefallen.

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