There Is a Woman Who Never Forgets You

Originaltitel: Es gibt eine Frau, die Dich niemals vergißt. Schauspielerdrama 1930; 91 min.; Regie: Léo Mittler; Darsteller: Lil Dagover, Iván Petrovich, Helene Fehdmer, Gaston Jacquet, Hans Peppler, Otto Wallburg, Ernst Stahl-Nachbaur; Greenbaum-Tobis-Film.

Ein Provinztenor verlässt prompt seine Verlobte als sich eine Berliner Schauspielerin für ihn interessiert. Als sie seine Eifersucht aber bald satt bekommt, lässt er sich von ihr durch Vertauschen der Platzpatronen eines Revolvers auf offener Szene erschießen. Letzteren Umstand gibt seine Mutter bei der Verhandlung erst in letzter Minute zu, nachdem sie vorher die des Mordes angeklagte Schauspielerin fälschlich belastet.

Zusammenfassung
Sensationsprozeß. Die berühmte Operettenschauspielerin Tilly Ferrantes ist des Mordes angeklagt. Blaß und erregt horcht sie auf die Verlesung der Anklageschrift, gepeinigt von den haßerfüllten Blicken der Kronzeugin, Frau Moeller, der Mutter des Ermordeten. Auf die Frage des Vorsitzenden: „Bekennen Sie sich schuldig ?“ antwortet Tilly fest und sicher: „Nein !“ Nun beginnt sie zu erzählen, anfangs stockend, dann immer fließender und leidenschaftlicher. Und die Erzählung sehen wir in Bildern vor uns vorüberziehen. – In einem großen Berliner Operettentheater ist die letzte Vorstellung vor den Sommerferien. Tilly Ferrantes, der Star, plant eine Autoreise mit ihrem Freunde, dem Grafen. Aber es kommt anders. Ein heftiger Streit zerstört diese Freundschaft, und Tilly kehrt allein in ihre Villa zurück. Hier wird sie von der alten Frau Moeller, einer kleinen Schauspielerin, erwartet, die Tilly bittet, ihr etwas Geld zu leihen, da sie ihren Sohn Georg, der am Stadttheater in Josephstadt engagiert ist, besuchen möchte. – Tilly gibt ihr das Geld, und unter Tränen flüstert sie: „Du weißt wenigstens, zu wem du gehörst, aber ich . . .“ – Da hat Frau Moeller eine Idee: „Komm doch mit mir zu Georg, er wird sich freuen !“ – Am nächsten Morgen sitzen die beiden Frauen im Zuge nach Josephstadt. – Der schönen Künstlerin wird es nicht schwer, Georg zu entflammen, aber auch sie verliebt sich in den frischen, urwüchsigen Jungen. Ein paar glückliche Wochen vergehen – dann sind die Ferien vorbei. Tilly ist wieder der Mittelpunkt des Großstadtlebens. Neue Erlebnisse lassen Erinnerungen verblassen, und so ist sie ein wenig befremdet, als plötzlich ein unerwarteter Besuch erscheint: Georg. Die Sehnsucht nach der geliebten Frau hat ihn hergetrieben. Aber das, was Tilly einst an ihm geliebt hat, fällt ihr jetzt unangenehm auf. Seine impulsive Urwüchsigkeit erscheint ihr ungeschickt und provinziell. Fast schämt sie sich seiner, doch ist sie gutherzig, um der tiefen Liebe, die Georg ihr entgegenbringt, auszuweichen. Auf Umwegen läßt sie ihm Geld zukommen und verschafft ihm ein gutes Engagement. Georg ist selig und studiert mit Feuereifer seine Rolle, die ihn zum Partner der Ferrantes macht. – Eines Tages tritt der Graf wieder in Tillys Leben. Sie hat inzwischen gelernt. Im stillen bittet sie den Grafen um Verzeihung, denn das tägliche Zusammensein mit Georg hat ihr gezeigt, daß es wichtiger ist, rücksichtsvoll und vornehm zu sein, als draufgängerisch und verliebt. So nimmt sie die alte Freundschaft wieder auf. – Bald erfährt Georg davon, und als er bei Tilly ein Geschenk des Grafen, ein kostbares Schmuckstück, findet, kommt es zu einer häßlichen Szene. Als er ihr vorwirft, daß sie sich an den Grafen verkaufe, bricht der lang aufgespeicherte Zorn aus Tilly hervor: „Ich verkaufe mich ? Und woher kommt das Geld, womit du deine Kleider, deinen ganzen Aufwand bezahlst ?“ Diese Worte treffen Georg wie ein Keulenschlag. Er rast nach Hause, um von der Mutter, die von allem weiß, Gewißheit zu erlangen. – Am nächsten Tag ist Première. Die Schlußszene des Stückes bedingt einen Kampf zwischen Tilly und Georg. Als Endeffekt zieht Tilly den Revolver und schießt Georg nieder. Nie wurde eine Szene so natürlich gespielt, sondern wirklich, die Art wie Georg zusammenbricht, die Hand am Herzen, ist von erschütternder Wahrhaftigkeit – der Revolver in Tillys Hand war scharf geladen. – Hier endet Tilly Ferrantes‘ Aussage. – Zeugenverhör. Auf die Frage: „Halten Sie die Angeklagte für schuldig ?“ Antwortet Frau Moeller: „Ja, sie ist die Mörderin Georgs !“ Nach eingehenden Ausführungen beantragt der Staatsanwalt das Todesurteil. – Tiefe Stille. Plötzlich ein schriller Schrei. „Ich habe etwas zu sagen !“ Frau Moeller wird von neuem an den Zeugenplatz gerufen. „Ich habe die Wahrheit gesagt. Tilly Ferrantes ist die Mörderin meines Sohnes – aber nicht im juristischen Sinne. Denn ehe Georg starb, gestand er mir, daß er den Revolver selbst geladen hatte, um sich zu töten. – Ich habe das verschwiegen, um ihn zu rächen – aber ich will keine Rache mehr . . .“

Kritik (-ner., Film Kurier #076, 03/28/1930):
Zwei beliebte Faktoren sind für diesen Lil-Dagover-Film herangezogen worden, um Wirkung zu erzielen: Theatermilieu und Schwurgerichtssahl.
Die Autoren Ladislaus Vayda und André Zsoldos kalkulieren, daß die eine Welt die andere Welt hervorheben kann. Nach berühmtem Muster lassen sie darum das Tribunal zur Szene werden, die Verhandlung wird Rahmen für den Filmvorgang.
Nur das eine haben sie vergessen, daß der Rahmen als Sprechfilm aufgezogen wird, während der Hauptfilm – abgesehen von den Liedstellen und ein paar Geräuschmomenten – Stummfilm mit synchronisierter Musik bleibt.
Aber die Schwurgerichtsverhandlung, wird, in einzelne Momente aufgeteilt, sprunghaft aufgemacht. Das Hauptspiel dagegen bewegt sich mit seinen langatmigen Vorgängen in altgewohnten Bahnen.
In Theaterdingen beweisen zudem die Autoren nur zu oft ihre Bühnenfremdheit. Der Vorwurf selbst – ein Tenor, der im Augenblick des Premiere-Auftritts eine Aussprache erzwingen will, oder eine Revue mit Revolverschußausgang ist wohl Unwahrscheinlichkeit.
Als alter Theaterpraktiker setzt Leo Mittler seine Theaterroutine ein. (Es befremdet dabei nur sein starkes Akzentuieren angeblich erotischer Momente.)
Mutz Greenbaums Kamera stützt ihn mit Sorgfalt. In herkömmliche Formen arbeiten diesmal Sohnle und Erdmann.
In der Rolle eines Revuestars: Lil Dagover. Am schönsten, wenn sie in lange wallende Gewänder gehüllt, sich bewegen darf oder wenn der Samt einer Loge dunkle Folie für ihren hellen Liebreiz wird.
Mit ihrem damenhaften Charme, mit ihrem sicheren großen Stil erfüllt sie die Gestalt einer Ehrgeizigen, die Premierenerfolg über persönliche Gefühle zu stellen gewohnt ist, bringt ihre Figur dem Verständnis nahe.
Als leidende Mutter Helene Fehdmer Kayssler von eindringlicher Wirkung. In einer Rolle, die leicht ins Sentimentale abgleiten könnte, spielt sie einfach und voll Ehrlichkeit.
Ivan Petrovich entspricht seinem Typ nach, dem Typ eines Erfahrenen, wenig dem jungen Eifersüchtigen, den er zu spielen hat. Es bleibt zudem bereits im Thema etwas unsympathisches um die Rolle eines (wenn auch unwissentlich) Ausgehaltenen.
In Episoden einer Reihe bekannter Darsteller: Hans Peppler und Hermann Speelmanns in kleinen Rollen ihr Format verratend, Rolf Gert, Bressart, Wallburg, und der hier farblose Sima.
Der Tonfilmauftakt wird zudem Anlaß einen durch seine Wirksamkeit von darstellerischer Betätigung Ferngehaltenen zu hören: den Intendanten der Republikoper und der Staatstheater Ernst Legal. (Sein Interesse am Tonfilmproblem wird ihn in das Atelier geführt haben). Lebendig und voll Prägnanz in Mimik und Geste gestaltet er seinen Schwurgerichtsvorsitzenden.
Der Film mit dem Liedtitel ist von Milde Meissner mit einer nicht sehr ausdrucksvollen Musik versehen worden.

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