The Last Company

Originaltitel: Die letzte Kompagnie. Historisches Kriegsdrama 1930; 78 min.; Regie: Curtis Bernhardt; Darsteller: Conrad Veidt, Karin Evans, Paul Henckels, Erwin Kalser, Else Heller, Werner Schott, Philipp Manning, Ferdinand Asper, Martin Herzberg, Heinrich Gretler; Ufa-Klangfilm.

Nach der Schlacht bei Jena ziehen sich die preußischen Truppen über die Saale zurück. Ein Hauptmann und dreizehn Mann, in einer Mühle verschanzt, decken sie gegen die nachdringenden Franzosen, ob der Übermacht der Feinde dem sicheren Tode geweiht. Nachdem der Rückzug gelungen, die Saalebrücke gesprengt, linden die die Mühle erstürmenden Franzosen die Leichen jener Dreizehn, die eine Armee gerettet…

Zusammenfassung
Wir sind dreizehn Grenadiere von der Burk’schen Kompagnie, bei den Mädels wacker und beim Biere. Unser Herz erzittert nie ! Wie war das doch ? Bei Jena, Ja richtig ! Im sechsten Jahr, als der Korse Preußen zusammenschlug. Lange noch, ehe ihm Blücher bei Leipzig und Waterloo den Garaus machen konnte. – „Die Burk’sche Kompagnie hat sofort die Mühle am Reinersdorfer Moor zu besetzen !“ So fing es an, nach schwerem Gefecht. Und als der Hauptmann Burk seine Leute zusammenrief, da waren’s nur noch dreizehn Mann, und das war die ganze Kompagnie ! – Macht nichts, Befehl ist Befehl und die Mühle muß besetzt werden, denn sie steht am Ausgang des Wiegendorfer Moorweges, über den die Franzosen kommen müssen. – Die Mühle wird Kriegsgebiet !
Die beiden alten Müllersleute müssen fort und auch Dore, das Mädel, siebzehn Jahre alt. „Sie ist bei uns aufgewachsen, Herr Hauptmann !“ „Soso“, meint Burk. Die großen Augen des Mädels hängen an seinem Gesicht. Wie der Leibhaftige Gottseibeiuns sieht der Mann aus, denkt sie ! Es war mal ein Soldate, Soldate. Soldate. Der ein hübsches Mädel hatte, es hatte, ja hatte. Jetzt sind sie also allein. Die Müllersleute haben die Mühle geräumt. Die Mühle ist Kriegsgebiet. Sie sperrt die Enge durch die der Feind kommen muß. Burk verteilt seine dreizehn Mann zur hartnäckigen Verteidigung des Defilee gegen Tausende. Eine Ordonnanz ist zum Hauptquartier abgegangen: Wir brauchen Verstärkung ! Dreizehn Mann sind keine Kompagnie ! – Das Vorgehen des Gegners muß aufgehalten werden, unter allen Umständen. Ein Graben wird in den Moorweg eingeschnitten. Sie wissen es alle es ist ein verlorener Posten. Aber sie beißen die Zähne zusammen. Unheimlich ist diese Nacht, still und drückend. Von uns dreizehn Grenadieren kennt ein Jeder seine Pflicht.
Keine Ruhmestafel wird uns zieren, keine Grabschrift, kein Gedicht. Die Fenster werden verbarrikadiert. Morgen geht’s los ! Dreizehn Mann ! Da kommt das Mädel zurück, die Dore. Herrgott nochmal ! Was ist denn los ? Die Mühle ist Kriegsgebiet, ja doch, aber sie wolle die Landsleute nicht allein lassen, wollte wenigstens für sie sorgen – bis zum letzten. Natürlich muß sie zurück, sagt der Hauptmann. Jetzt ? Geht doch nicht ! Niemand würde den Weg finden in der Nacht ! Gut, sie soll bleiben, bis der Morgen graut. – Da Ist auch der Meldegänger wieder: keine Hoffnung auf Verstärkung. Die Preußen sind auf dem Rückzug zwei Korps müssen noch über die Saale, ehe die Brücke gesprengt werden kann. Verdammt auch ! Die Franzosen müssen aufgehalten werden, bis das letzte preußische Korps die Saale überschritten hat ! Das ist der sichere Tod der dreizehn Verteidiger ! Tausende werden kommen. Gegen dreizehn Mann ! Die Leute müssen, da steht der Hauptmann vor ihnen: „Tausende von Kameraden werden gerettet, wenn wir die Mühle nur eine halbe Stunde halten !“ Jeder geht an seinen Posten. Seht ! Der Tag graut im Gelände. Was befohlen, wird getan !
Und wir reichen uns die Hände, Kameraden bis ans Ende, Wir dreizehn Mann ! Jetzt muß das Mädel fort ! Nein, nein, sie will bleiben, Sie geht nicht ! Burk packt sie, – da hängt sie sich an seinen Hals: „Schicken Sie mich nicht fort ! Lassen Sie mich hier . . . bei Ihnen !“ Burk atmet schwer. „So ist das also ! Sein ganzes Leben lang ist man rumgelaufen als Pflichtmaschine, und jetzt, wo man sterben muß. . . . „Gehen Sie, Dore! Gehen Sie doch!“ Dore antwortet nicht, sie klammert sich an ihn. Und das ist ihre Antwort. – Der Kampf beginnt! Krachend schlagen die Geschosse in die Mühle, aus der das Infanteriefeuer der dreizehn Mann schlägt. Unsere Mütter, unsere Bräute Denken unser dann und wann . . .
Noch sind die Kameraden unten an der Saale nicht über die Brücke. Schwächer wird das Feuer der Preußen. Wir sind namenlose Leute auf verlorenem Posten heute. Wir dreizehn Mann ! Das Feuer aus der rauchenden zerschossenen Mühle schweigt. Die Franzosen dringen ein. Da liegen nebeneinander, Schulter an Schulter, ein Offizier und zwölf Grenadiere. Tot . . . Und neben dem Offizier, im Tode an ihn geschmiegt, ein junges Mädel. Mit donnerndem Krach fliegt die Saalebrücke in die Luft. – Gerettet die Hunderttausende . . . Und der französische Oberst und seine Offiziere salutieren dem tapferen Gegner.

Kritik (-e-, Film Kurier #065, 03/15/1930):
Deutscher 100%iger Tonfilm.
Im Ufa-Pavillon wird der zweite Film der Joe-May-Produktion gezeigt.
Ein Tonfilm, ein Großtonfilm mit allen technischen Errungenschaften. War es nicht gestern, daß man die Umstellung auf Ton begann. Wie haben wir es heute schon weit gebracht:
Die Apparate funktionieren präzise. Die Aufnahme klappt ohne Mühe, die Wiedergabe erfolgt störungsfrei.
Auch das leiseste Piano wird hörbar: Geräusche sind naturgetreu, ohne sich in ihrer Echtheit vorzudrängen.
Dem gesprochenen Wort bleibt der unmittelbare Charakter der Bühnenwirkung bewahrt. Nichts mehr geht bei der Umsetzung über die Mechanik verloren.
Dabei sind die Möglichkeiten, die das stumme Standardwerk bisher gab, ebenso selbstverständlich beibehalten. Die Linie wird fortgeführt, auch in der neuen Sprechfilmgattung.
Man spürt es, wie erst am Tage zuvor, bei der bezaubernden Tonfilm-Operette des D.L.S.: Jeder neue deutsche Tonfilm von Wert fördert. Er wirbt für die Tonfilmsache.

Ein Kriegsspiel ist es.
Reste einer preußischen Grenadierkompagnie halten nach der Schlacht von Jena und Auerstadt (anno 06) eine Mühle, die den Weg zur großen Saale-Brücke deckt.
Eine ganze Nacht lang und einen halben Vormittag halten sie aus, ein Dutzend Leute mit ihrem Hauptmann.
An den Thermopylen erliegen sie gegen die Uebermacht. Ein Häuflein opfert sich für die Allgemeinheit. Wanderer, kommst du ins Deutschland von heute . . .
Das ist fraglos die ehrliche Absicht der Produktionsgemeinschaft um Joe May herum gewesen. Sie haben experimentiert mit heißer Müh’, immer wieder, um die Linie zu finden:
Joe May selbst, in tausend Atelierschlachten bewährt, ein stattliches Aufgebot von Autoren und Ratgebern, Techniker von dem ganz außerordentlichen Können Andrej Andrejowa, Günther Krampfs; und als Regisseur hatte man sich den jungen Kurt Bernhadt geholt, dessen Name seit dem proletarischen Film „Namenlose Helden“ ein Programm bedeutete.
Es kam darauf an, eine Linie zu finden, die Geschehen von einst einer Volksgemeinschaft von heute nahebringt. Eine Mehrheit von Parteien – die sich auch im Kinopublikum wiederspiegeln – mußte interessiert werden, damit eine Basis da ist.
Man suchte das demokratische Preußen, so wie es etwa vor Zehnjahrenfrist Ostwald Spengler in seinem Werk über Preußentum und Sozialismus zu deduzieren versucht hat.
Aus der Gemeinschaft der Todgeweihten sollte bewußt der Keim angedeutet werden, der kommenden Generationen Leben spendet. Die unbekannten Soldaten sind es die Preußen gerettet haben aus dem Elend der durch die Generale verlorenen Doppelschlacht.

Die Kriegsschuldfrage bleibt dabei außer Betracht. Man forscht nach den Ursachen:
Ob es etwa überhaupt notwendig gewesen ist, Napoleon, der das Bündnis mit Preußen suchte, um gegen England freie Hand zu haben, zu brüskieren. Militärpartei am Hofe, Königin Luise und Prinz Louis Ferdinand gehören der Vorgeschichte an.
Eben so fern aber hält man sich von jeder aggressiven Hurra-Stimmung. Es ist kein Schlachten in Dur, sondern eine Eroica in Moll. Unsterbliche Opfer, die dahinsanken, die mit ihrem Blute das Feld für spätere Generationen düngten.
Der Gegner ist dabei markiert. Nicht der Franzose schlechthin ist es, sondern das Schicksal, das die letzte Kompagnie durch die Pflichterfüllung, durch den Opfertod überwindet.
Mit größerem Taktgefühl – das jede Eventualität von vornherein erwog – mit größerem Ernst ist noch nie an ein schweres Thema herangegangen worden.

Das Kriegsdrama wird bewußt von der anderen Seite gezeigt. Es ist die Kehrseite des Wochenendausfluges. Journeys end.
Die Bauernsöhne, nach dem preußischen Kantonierungssystem ausgehoben, arme Teufel, stehen in Reih und Glied mit angeworbenen Landsknechten. Zu ihnen gesellt sich der Führer. Zu ihm halten sie, weil er menschlich ist.
Für Frauen ist kein Raum – – , wenn die Dromete erschallt, muß die Flöte schweigen. Es ist ein Film von Männern, ein Film für Männer.
Kein Zufall, daß die einzige Frau die Müllerstochter, bukolisches Idyll inmitten der Kriegsgreuel, eine gewollte Konzession an Export- und Film-Publikumsgeschmack bedeutet. Wenn die Medusa ihr Haupt abwendet, kommt für Momente das Müllergirl Karin Evans zu ihrem Recht.

Impressionistische Bildmalereien geben den Rahmen der Handlung.
Ein Schlachtfeld, mit romantischer Moorlandschaft dem Raben Ralf, der sein Grauen über Moräste krächzt, in denen Mann und Roß und Wagen versanken. Nacht und Grauen, Unvergeßlich.
Ein Meister der optischen Architektur, Andrej Andrejew, war am Werke. Von seiner Schöpfung geht Leben aus und eine Fülle tiefster Eindrücke.
Rechte Gelegenheit für Günther Krampf, Kamerakompositionen zu bildern. Menschen im Halblicht, Dämmerschatten, sorgsam ausgeleuchtete Köpfe. Es ist eine subtile Kleinkunst.
Am stärksten ist die Unwirklichkeit, umgesetzt in Realität –, Verbot der französischen Armee, Kürassiere, gespenstisch sich vom Nebel lösend, auf verschlungenen Wegen zur Plastik gebracht.

Der melancholische Hauch des Gesamtwerkes verbietet dramatische Steigerung von selbst.
Von Beginn an ist es klar, daß dieses Häuslein preußischer Grenadiere, diese Selbstopfer, Todgeweihte sind.
Taktvoll wird der letzte Kampf auf ein Minimum reduziert. Die Film-Atmosphäre berührt zuvor, in den Schlachtfeldvisionen Carl Hauptmannsche Regionen: „Die Toten singen . . .“
Die Mitwirkenden: Conrad Veidt als Hauptmann Burk in liebevoll herausgearbeiteter Charaktermaske, schauspielerisch zurückhaltend, von sympathischer Einfachheit.
Die zwölf Mann seiner Kompagnie, Sprecher verschiedener Dialekte: Heinrich Gretler, Paul Henckels, Ferdinand Asper, Martin Herzberg, Werner Scholl, Dr. Philipp Manning, Alexander Hiller, Ferdinand Hart, Karchow und Horst von Harbou. Die Zivilisten: Erwin Kaiser, Else Heller.
Das Manuskript stammt nach einer Idee von Wilhelm und Kosterlitz von L. von Wohl und H. Goldberg. Für das Drehbuch zeichnen:
Goldgerg, Wilhelm und Kosterlitz
Die Tonmeister Dr. Gerhardt Goldbaum und Erich Schmidt werden ihrer schwierigen Aufgabe völlig gerecht. Ihr Glanzstück bleibt die tonliche Differenzierung der Wiedergabe von Trompetensignalen und fernhin tönenden Rufen über das Schlachtfeld.

Das Publikum der Uraufführung nahm den Film mit starkem, herzlichen Beifall auf.

css.php