Love in the Ring

Originaltitel: Liebe im Ring. Sportdrama 1930; 81 min.; Regie: Reinhold Schünzel; Darsteller: Max Schmeling, Olga Chekhova, Renate Müller, Kurt Gerron, Hugo Fischer-Köppe, Frida Richard, Yvette Darnys; Terra-Lignose-Breusing.

Der Sohn einer Marktfrau wird als Boxer „entdeckt“ und gerät nach dem ersten Erfolg prompt in die Netze einer sportbegeisterten Dame, sehr zum Verdruss seiner Jugendfreundin, mit der er sich erst wiederfindet, nachdem er sich von der Untreue seiner neuen Bekanntschaft überzeugt und den großen Kampf bestanden.

Zusammenfassung
Das bunte Bild des Wochenmarktes einer Großstadt. Da ist der Obststand von Maxes Mutter. – Der hochaufgeschossene junge Mensch geht ihr bei der Abfertigung der Käufer flink zur Hand. Heute ist er nicht so recht bei der Sache. „Was hat er nur ?“ – denkt die Mutter. Sie folgt der Richtung seines Blickes – aha, die Hilde . . . ! Ein tüchtiges, hübsches und munteres Mädel, das im Fischgeschäft ihres Vaters fleißig mithilft. Hilde gefällt gerade das etwas unbeholfenes Wesen des treuherzigen Verehrers. – Verlegen steht Max da und schließlich stammelte er hervor, daß er heute abend gern mit Hilde das kleine Vorstadt – Varieté sitzen Max und Hilde. Herr Varani, die Hauptattraktion des Programms zeigt durch Stemmen von Riesengewichten seine Körperkraft und fordert dann Herren aus dem Publikum auf, sich ihm zu einem Boxkampf zu stellen. Ehe sich die überraschte Hilde dessen versieht, steht Max bereits auf der Bühne. – Ein gut gekleideter Herr, dicht an der Bühne sitzend, der ziemlich gelangweilt den bisherigen Darbietung gefolgt ist, wird plötzlich ganz wird plötzlich ganz Interesse und Unaufmerksamkeit. Man sieht zwar, daß der tapfere Junge vom kunstgerechten Boxen noch keine Ahnung hat, – aber trotzdem drückt die Mine des besseren Herren unverhohlene Anerkennung aus. Ganz kleinlaut kommt Marx heim zu Muttern, verbeult und zerschunden, mit verschwollenem, dickem Auge. Er versucht, die Mutter zu beruhigen und ihr alles zu erklären. Da erscheint der freundliche Herr aus den Varieté und entpuppt sich als Manager, der dem staunenden Max den Antrag stellt, ihm in der die Schule zu nehmen und aus ihm ein großen Boxer zu machen. – In der Boxschule erziehlt Max bald große Fortschritte. Sein erstes großer Match mit dem gefürchteten Neger – Boxer Ali endet mit einem vollkommenen Siege Maxens. – Das Interesse einer eleganten Dame aus dem Zuschauerraum ist so stark, daß sie einen Vorwand ersinnt, und noch heute abend mit dem Sieger des Boxkampfes zusammen zu sein. – Max weiß, daß er zu Hause mit Sehnsucht erwartet wird, aber schließlich ist die Versuchung doch stärker. Er folgt Lilian in ihr luxuriöses Heim. – Vergessen ist Hilde, vergessen auch seine Pflicht. Der Rausch der Sinne umnebelt seinen klaren Verstand. – Eine große Wandlung ist mit Max seit seinem Siege und seiner Bekanntschaft mit Lilian vorgegangen. Mit Betrübnis sehen Manager und Trainer, daß Max sein Training nicht mehr ernst nimmt und in jeder Weise seine Pflichten vernachlässigt. Dabei steht der große Kampf um die Deutsche Meisterschaft kurz bevor. – Mit tiefen Schmerz hat Hilde erfahren müssen, wie Max sich immer mehr von ihr abgewendet. – Der Trainer will die Hoffnung doch noch nicht aufgeben. Hilde muß helfen. Sie hat ihre Beobachtungen gemacht und holt nun zum großen Schlage aus. Sie sagt Max klipp und klar, daß die Frau, um deretwillen er Karriere und Zukunft aufs Spiel seiner nicht würdig sei. Jeden Nachmittag empfange sie einen Mann bei sich. Max Will sich selbst überzeugen. Er trifft einen schlotternden Lebegreis bei Lilian. Dieser pocht auf seine Rechte als „Zahler“ und tritt vor den Fäusten des Boxers schließlich den Rückzug an. Max hat genug . . . wortlos verläßt er die Verzweifelte, die ihm eine so schwere Enttäuschung bereitet hat. – Der große Kampf um die deutsche Meisterschaft versammelt alle Beteiligten in der Arena. Nur Maxens Mutter verfolgt alle Phasen des Kampfes zu Hause in ihren Stübchen mit angstvoller Spannung – – – am Radio. Der gefürchtete Gegner Maxens erklärt vor Beginn des Kampfes der Dame seines Herzens prahlerisch, daß er den jungen Dachs mit Leichtigkeit besiegen werde. Marxens zahlreiche Anhänger ermuntern ihn immer wieder durch ihre Zurufe. – Da Max im Zuschauerraum die ungetreue Lilian an der Seite ihres Liebhabers erblickt, gibt er sich für einen Moment eine Blöße, die sein Gegner ausnutzt. Fast scheint Marxens Niederlage besiegelt. Er erholt sich aber rasch wieder, um mit erneute Wucht den Kampf aufzunehmen. Unter dem tosenden Beifall der Menge schlägt er den anderen knock out. Im Triumph wird Max von seinen Freunden in der Getrommel geleitet. Ein amerikanischer Journalist beglückwünscht ihn und schließt sein Interview mit den Worten: „Auf Wiedersehen in Amerika !“ Während der unterlegene Gegner die ganze Tragik des Besiegten auskostet – niemand kümmert sich mehr um ihn – die Geliebte würdigt ihn keines Blickes – ist Hilde bei Max. „Ich habe dich ja so lieb !“ ruft sie aus, „aber du verdienst es eigentlich gar nicht, du Casanova !“ Max gelobt Besserung. Ein Kuß zwischen den Beiden vom Trainer gnädigst bewilligt und „ausgezahlt“. Sie halten sich fest umschlungen. Draußen ertönen, von kräftigen Männerstimmen gesungen, die Klänge des Boxerliedes.

Kritik (-d., Film Kurier #067, 03/18/1930):
Ein Film um, mit und für Schmeling.
Auf diese Parole gebracht, präsentiert sich dokumentarischer, filmischer und – vor allem – kommerzieller Wert des Werkes.
Die vielen Hunderttausende, die am Boxsport interessiert sind, werden mit aufrichtiger Begeisterung den Werdegang des Boxers Maxe sich ansehen und, an ein paar Stellen, auch anhören.
Und die Kritischen unter ihnen, die Selbstausübenden, Amateure wie Professionals, werden nichts daran aussetzen können.
Denn man hat ihnen keinen Boxer serviert, der sich unsportlich benimmt oder gar falsche mimische Ambitionen entwickelt: Der Boxer bleibt in seinem Milieu; er wirkt am beredtesten im Ring, wenn die respektable Nummer seiner Handschuhe eine deutliche Sprache spricht.
Das hat Produktionsleiter Max Glaß, Sachverständiger auf dem Gebiete des geschäftlich gut fundierten Films, erkannt.
Dementsprechend bleibt der Vorwand, story vom Aufstieg des unbekannten Ring-Soldaten, schmucklos einfach. Entdeckung in der Markthalle, in einem Vorstadt-Tingeltangel, Aufstieg, Retardierung und schließlich der große Kampf.
Als Garnierung nur zwei Frauen, mondän und simpel; die eine bemüht, dem Sportmann durch erotische Ueberanstrengung die Karriere zu vermasseln, die andere gewillt, dem Boxer als Ehefrau die Ringvorschriften nicht zu erschweren.
Zwischendurch gibt es ein buntes Allerlei. Der Autor Max Glaß läßt keinen auf Wirkung bereits erprobten Effekt außer acht.
Schünzel, der alte Box-Enthusiast und erprobte Routinier, stellt seinen Helden mit liebevoller Vorsicht heraus.
Sich selbst hat er eine dankbare Episode reserviert: Einen Rundfunk-Ansager, der seine subjektive Begeisterung über den fight durchs Mikrophon säuselt, schmettert.
Ein solistisches Kabinettstück, das im Zuschauerraum helle Zustimmung auslöst. (So etwas sollte sich die Funkstunde zur Sendung nicht entgehen lassen.)

Boxerstücke sind nicht unbekannt. Es ist schließlich naheliegend, die Popularität eines Sportsprominenten auch für Schauzwecke auszunutzen.
Erst vor knapp einem Vierteljahr hat man in Berlin Gelegenheit gehabt, das Theaterstück eines amerikanischen Journalisten zu sehen, dessen Hauptattraktion das Milieu zwischen den Seilen war. Damals kam es zu keinem Erfolg, und es wurde darüber hinaus zum Anlaß einer Intendantenkrise. Denn:
Die Sprechbühne bleibt, nach wie vor, dem Wort vorbehalten. (Und das von der Allgemeinheit, nicht zuletzt den Kinosteuern, subventionierte Staatstheater den Werken der Kunst-Fundierung.)
Damals, es lag auf der Hand, konnte die Wirkung sich nicht einstellen, weil der Bezirk des Sprechtheaters zu umgrenzt war. Die optische Kunst, in der Lage, das Auge zu bluffen, unabhängig zudem noch von der Einheit des Ortes, ist leistungsfähiger.
Das entscheidet den Sieg des Films.

Man ist bestrebt, die Echtheit zu wahren. Atmosphäre einer Berliner Markthalle, Betrieb in einem Vorstadtbums mit ausgezeichnet ausgesuchten Typen; Bewegung im Boxtrainingsquartier.
Eine Fülle von Gesichtern, von Gestalten, die jedem Sportsfreund vertraut sind.
Da marschieren sie auf: Harry Stein, unser kleiner Meister und Erich Kohler, Herse, Noack, Felix Friedemann und der portugiesische Schwergewichtsmeister José Santa.
Mit Begeisterung singen sie das Boxerlied, das ihnen, nach einem Text von Fritz Rotter, Artur Guttmann hübschklingend und rhythmisch komponiert hat.
Ihr Champion ist und bleibt Max Schmeling. Er wirkt auch im Scheinwerferlicht durch die sympathische Einfachheit seiner Art. Im Boudoir ebenso gelassen, wie beim Jonglieren von Marktkörben.
Dann aber, wenn er in den Ring geht, legt er los. Es mag ihm nicht leicht gefallen sein, diese verabredeten Gänge, die Runden, in denen er sogar zu Boden gehen muß. Flaschen sind unseres Maxes Sache nicht.
So richtig aus sich heraus geht er erst, als er den Meisterschaftskollegen nach allen Kräften versohlen kann.
Das ist schon eine aufregende Angelegenheit: Max Schmeling, blendend in Form, wie ein edles Rassepferd tänzelnd, mit einer Beintechnik, die virtuos ist und einer Präzision in der Schlagkraft, die den Erfolg, nicht nur des Boxkampfes, entscheidet.

Im Ensemble um ihn herum sind ausgewählte Episodisten. Sie stützen den Kollegen von der anderen Fakultät: Frieda Richard, Rudolf Biebrach, Julius Falkenstein, Kleinbürgertypen. Hugo Fischer-Köppe, Max Machon als Trainer.
Vital und hundertprozentig, fast den Rahmen seiner kleinen Rolle sprengend, Kurt Gerron. Die Frauen um Max: Renate Müller, blond und resolut, und Olga Tschechowa, im fremden Fach der Salonschlange.
Die Kamera, zuverlässig wie immer, N. Farkas. Die Bauten, in den Maßen nicht immer glücklich, sind von Sohnle und Erdmann.

Die Technik der Aufnahme verdient ein paar Worte der Erwähnung: Es ist ein Film ohne Titel, mit Gesangseinlagen und ein paar Dialogen. (System Breusing auf Artiphon-Record.)
Der Schwierigkeit, an Stelle des durchgehend gesprochenen Wortes stellenweise Pantomime zu setzen, suchte man durch diskrete Illustrationsmusik zu begegnen.

Wieviel man sich in fachkundigen Kreisen von der Zugkraft des Films verspricht, besagt am besten die Tatsache, daß ihn zwei repräsentative Berliner Uraufführungskinos, das Universum und die Terra-Lichtspiele, Mozartsaal, gleichzeitig eingesetzt haben.
Damit ist die neue Max Glaß-Produktion der Terra unter einem äußerst günstigen Stern gestartet worden.
Für Schmeling und seine Mithelfer gab es langanhaltenden Beifall.

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