
Originaltitel: Tingel-Tangel. (Alles für euch, schöne Frauen.) Posse mit Gesang 1930; 89 min.; Regie: Jaap Speyer; Darsteller: Ernő Verebes, Elisabeth Pinajeff, Fritz Kampers, Julius Falkenstein, Hilde Auen; Erich Engels-Tobis.
Die Tänzerin einer Jahrmarktsbude kommt ob der Projektion eines Komponisten in ein elegantes Kabarett. Später entscheidet sie sich jedoch für einen jungen Mann, der den Komponisten bisher seine Schlager für ein Spottgeld verkaufte.
Zusammenfassung
Trotz seiner aasgesprochenen Talentlosigkeit erzielt der Komponist Fox Blues mit seinen Schlagern glänzende Erfolge und verdient eine Menge Geld. Das Geheimnis dieser eigentlich ganz regelwidrigen Erscheinung liegt darin, daß Fox Blues’ erfolgreiche Schlagerlieder in Wahrheit gar nicht von Fox Blues stammen – sondern von Billie, der trotz seiner großen Fähigkeiten wie so viele andere nicht imstande ist, in die Höbe zu kommen, und der, um nicht zu verhungern, für ein paar lumpige Kröten Fox Blues die Schlager samt Texten liefert, die dann unter dessen Namen in die Welt gehen. Und obwohl Fox Blues auf diese Weise allen Grund zur Dankbarkeit gegen Billie hätte, benimmt er sich äußerst schmutzig. Eines Tages wird Billie, als er gerade mit knurrendem Magen im Park weilt und darüber nachdenkt, wie er zu Geld kommen könnte. Zeuge, wie ein kleiner Hund vor dem Schinder flüchtet. Voll Mitleid bringt Billie das Tier, welches auf den schönen Namen „Schlumpsi“ hört, in Sicherheit und von diesem Augenblick an sind die beiden, Billie und der Hund, unzertrennliche Freunde. Schlumpsis Schlauheit verdankt Billie es, daß er zu einer Eintrittskarte für das Luna-Palais, einer großen Schaubude auf dem Vergnügungsplatz, kommt, die er sich nicht hätte kaufen können, weil er gerade wieder einmal vollständig auf dem Trockenen sitzt. Und dieser Abend sollte für Billie und Schlumpsi nicht mir ein Abend des Vergnügens, der Unterhaltung werden, sondern auch entscheidend für ihr ferneres Leben sein. Erstens verliebt Billie sich nämlich auf den ersten Blick in den schönen Star des Etablissements, die blonde Sonja, die alle Zuschauer durch ihre Rasse und Tanzkunst begeistert. Zum andern Male aber verhilft Schlumpsi sich und Billie, der darüber überglücklich ist, zu einem Engagement im Luna-Palais – und das ist so gekommen: Schlumpsi hatte den Hanteln stemmenden Direktor Job dadurch blamiert, daß er sich einer der Hanteln bemächtigte und sie mit dem Maul „stemmte“ – was ein ohrenbetäubendes Gelächter der Anwesenden zur Folge hatte. In seiner Wut hatte Job Billie samt Schlumpsi hinausgeworfen, Sonja aber sah die Möglichkeit einer neuen Sensationsnummer zusammen mit dem Hund – und auf ihre Veranlassung erhielten Billie und Schlumpsi das Engagement. Sonjas Eingebung war gut gewesen: in einer neuen Nummer, in welcher sie mit Schlumpsi auftritt und das „Schlumpsi-Lied“, einen von Billie eigens für sie komponierten und gedichteten Schlager, zum Vortrag bringt, erringt sie einen geradezu beispielslosen Erfolg. Ein am nächsten Tag in den Zeitungen veröffentlichter Artikel über die große Attraktion im Luna-Palais, von einem findigen Reporter verfaßt, hat zur Folge, daß das Etablissement am Abend bis auf das letzte Plätzchen gefüllt ist – und zwar in der Hauptsache von vornehmen Stadtpublikum, wie es die Schaubude noch niemals in ihren Wänden beherbergte. Unter den Besuchern befindet sich auch der Besitzer des Kabaretts „Tingel-Tangel“, Herr Breslauer, der zugleich der Verleger des ebenfalls anwesenden Fox Blues ist. Fox macht sich nach der Vorstellung an Sonja heran, der er verspricht, ihr ein Engagement im „Tingel-Tangel“ zu verschaffen. Als Sonja, durch diese Aussicht verlockt, der Einladung des schmeichlerischen Fox Blues folgt, sich von ihm elegante Kleider schenken läßt und schließlich wirklich das Engagement im „Tingel-Tangel“ erhält, kommt es zwischen ihr und Billie, dessen Liebe sie den zu erwartenden Aufstieg vorzieht, zum Bruch. Sie soll im „Tingel-Tangel“ in der gleichen Nummer auftreten, zusammen mit Schlumpsi, den Fox Blues in seinen Besitz zu bringen wußte. Aber der Hund macht den Absichten Blues‘ einen dicken Strich durch die Rechnung – indem er zu Billie zurückläuft. Daduch wird die ganze Nummer, von der sowohl Sonja als auch Herr Breslauer und Fox Blues sich so viel Erfolg versprechen, in Frage gestellt. Im letzten Augenblick ermöglicht Billie das Auftreten Sonjas, indem er mit dem Hund im „Tingel-Tangel“ erscheint und das Tier für die Nummer zur Verfügung stellt. Und da Sonja inzwischen Fox Blues‘ wahres Gesicht erkannt hat, fällt es Schlumpsi nicht schwer, eine Versöhnung zwischen den beiden zu vermitteln.
Kritik (-r., Film Kurier #306, 12/30/1930):
Ein Griff in den Hunde-Nachwuchs, und siehe da, der deutsche Tonfilm hat einen neuen Star, Schlumpsi geheißen und von Schlumpsi gespielt.
Der Genosse Rezensent ruft ihm ein fröhliches Wau-Wau zu.
Eine Hunde-Seele schaut dich an, vom Autor Alexander Alexander treulich geführt, von Jaap Speyer, dem Tier-, Mensch-, Mikrophon- und Requisiten-Dresseur, in allen Lebenslagen enthüllt; Schlumpsi kann lachen, beißen, Glyzerintränen weinen, tanzen, mausen, durchbrennen, harmlos und gemeingefährlich sein, eine Max-und-Moritz-Natur, die Fell und Fleisch gewordene Scherzfigur aus amerikanischen Zeichen-Groteskfilmen. Dieser brave Hundehanswurst stört nicht durch Worte und Gesang. Er heult nicht einmal.
So ein Hund hat sein entzücktes Publikum. Er bekam viel Beifall und einen richtigen Lorbeerkranz. Schade, daß er diese Kritik nicht versteht, wenn man sie ihm vorliest. (Man lobt so gern –)
★
Der Film reicht für anderthalb Stunden hin. Die Tingel-Tangel ist mit viel Aufwand gemacht, die Produktion verrät Liebe für die Inszenierung, wills in den Dekorationen, den Heiterkeiten und Kalauern voll und reichlich nehmen.
Das oft gesehene Milieu der Rummelplatzbude, des mondänen Amüsierlokals wird auf neu gewendet, manche Witze würden auch bei einer Beerdigung nicht stören, manche Einfälle dagegen haben burleske Durchschlagskraft namentlich wenn es sich um rein optische Scherzchen handelt, etwa die poetische Abteilung der Bude mit einer Loreley-Darbietung und dem Barbarossa-Ulk.
Die Schauspieler bringen ihre volle Typen-Kraft mit: Fritz Kampers, der strahlende Rummelkönig, drastisch und naturhaft; – Julius Falkenstein, der vertrotteltste Varietédirektor (mit nervösen Schluckbeschwerden), den der geplagte Julius aus seinem unerschöpflichen Filmkarikaturen-Kabinett holt; – Ernst Verebes als Tanzclown vollendet (als Sprecher fällt er langem auf die Nerven). Zu nennen noch der viel zu wenig beachtete G. Dammann, Hilde Auen, Katta Sterna.
Bruno Kastner spricht diskret den undankbaren Part des Beihnah’-Verführers. gehört wieder zum lieben Nachwuchs, der Bruno.
Sympathisches Tanzfilmdebut: Elisabeth Pinajeff. Sieht sehr gut aus und wird die kleinen Dialektstörungen schon beseitigen lernen. Laßt Beine sprechen, wenn sie so gut geformt sind.
★
Tänze (von Arno II) hübsch kommandiert und vorgeführt, Ausstattung von W. A. Hermann und H. Lippschütz mit einigen Revue-Bühnen-Einfällen, befriedigende Photographie: Bruno Mondi, ansprechender Ton: Eugen Hrich, Schnitt P. Ostermayr – – und dann noch viel, sehr viel Musik.
Franz Grothe, treffsicher im unkomplizierten, klaren Refrain Abfassen, guter Instrumentator für die Kapelle Dajos Bela,
die sich Sonderapplaus holt. Und Karl Wilcynskis Tingel-Tangel-Verse von Frauen und Hunden singen: Austin Egen und Alfred Braun. Gegen die Konkurrenz von Schlumpsi kommen selbst diese Rundfunk-Olympier nicht auf. Lernt auf vier Beinen gehen, verlernt das Singen.