The Private Secretary

Originaltitel: Die Privatsekretärin. Musikalischer Schwank 1931; 84 min.; Regie: Wilhelm Thiele; Darsteller: Renate Müller, Hermann Thimig, Felix Bressart, Ludwig Stössel; Greenbaum-Tobis-Klangfilm.

Eine Stenotypistin läßt den Personalchef abblitzen, ist bald nachher mit dem Direktor verbandelt, ohne ihn zu kennen, weist ihn, in dem sie einen kleinen Beamten vermutet, ab. Dafür muß sie nachher einen umfangreichen Canossagang antreten, bis er sie zu seiner Frau macht.

Zusammenfassung
Auf ihrer langen Stellungssuche macht Vilma, ein mutiges selbstbewußtes Mädchen, die Bekanntschaft des Bankdieners Hasel und weiß sich seine Gunst zu erwerben. Hasel vermittelt ihr eine Audienz bei dem gestrengen Personalchef Klapper und dieser nimmt Vilma auch tatsächlich auf, weil er hofft, bei der Kleinen auch privat etwas zu erreichen. Aber er täuscht sich. Vilma läßt ihn bei einem Rendezvous glatt aufsitzen. Aus Wut darüber schanzt ihr Klapper am nächsten Tag so viel Arbeit zu, daß Bilma Überstunden machen muß. Aber der Direktor der Bank hilft ihr in liebenswürdigster Weise, ohne daß Vilma weiß, wer er ist. Sie nimmt an, es sei ein Kollege und besucht auf Direktor Arvais Vorschlag mit ihm ein Restaurant, wo sie Hasel als Dirigent eines Gesangsvereines treffen.
Als Vilma am nächsten Morgen erfährt, mit wem sie am Abend vorher Bruderschaft getrunken hat, ist sie ganz erschrocken und will sich bei Arval entschuldigen. Dies wird jedoch durch die Sekretärin des Direktors verhindert. Hasel wird zu Rate gezogen und lockt durch eine List die Sekretärin weg, so daß Vilma ihren Platz einnehmen kann. Der Direktor, erst zornig über den Tausch, ist sehr erfreut, als er die neue Kraft entdeckt. Vilma hat sich in den Direktor richtig verliebt, er kann das Mädel ebenfalls gut leiden und will sie zu seiner Freundin machen. Als Vilma diese Absicht erkennt, stürzt sie tief verletzt davon.
Arvai sieht ein, daß ein solches Mädchen wert ist, geheiratet zu werden, und so zieht Vilma bald in das Haus des Direktor als seine kleine Hausfrau ein.

Kritik (E. J., Film Kurier #014, 01/17/1931):
Auf dem Bahnhof (mal wieder) kommt das junge Mädel an; hat Courage in den Augen, will Berlin erobern als Tipse . . . auf den leichten Bahnen der so gefällig stilisierenden Film-Operette, versteht sich; – jener Film-Operette, die manche Oberlehrer der Filmtheorie bei uns mit „ungenügend”, „hat das Klassenkampfziel nicht erreicht” strafen.
Was den Stil betrifft – haben die Oberlehrer unrecht (was die Mentalität angeht, meist recht).
Denn dieser „Operetten”-„Stil” über „Zwei Herzen im 3/4-Takt” zu „Drei von der Tankstelle” hat Lebenskraft, gibt dem Film durch seine tänzerische Beschwingtheit, durch die Lust am musikalischen Vivace und die Neigung zum Parodieren, zum Grotesk-Unernsten, zum schauspielernden Wirbel – – eben Film-Eigenart; mit Theater-Operette hat diese deutlich entwickelte Film-Inszenierungs-Form nichts zu tun.
Leider lebt diese Form fast ganz von den Darstellern und dem sie zum Tanz treibenden Regisseur – hier Wilhelm Thiele, ein routinierter Takt-Schläger und Spielführer, wie man auch diesmal gern wieder feststellt; bestenfalls hat diesen Formgeist noch die Musik begriffen und der Textdichter. (Bei der unerreichten „Majestät, die Liebe” hat schon das Drehbuch . . . mitgetanzt.)
Leider hat also diese Form – noch keine hundertprozentigen Autoren. Robert Liebmann gab stets Detail statt große Linie. Walther Reisch zog klug abgesteckte Verbindungskanäle zwischen die blühenden Seen der Stolzschen Musik-Situationen. Bei Oesterreicher und Bernauer deckte das Drehbuch den uralten Bühnenwitz der Handlung – hier bei Franz Schulz steht ein Schwank-Rahmen für das fidele Schauspieler-Trio Renate Müller, Hermann Thimig, Felix Bressart. Ein hochgetriebener, von Schulz mit Thiele sorgsam ausgefüllter und wirklich urkomischer Schauspieler-Schwank in zwei Dritteln des Films –; das Büro-Mädel gerät an den Chef, der verliebt sich, fidele, unerkannte Amüsierszenen mit einem urkomischen Bürodiener als Dritten im Bunde –; in einem Familienlokal, wo der Bürodiener mit seinem Gesangverein ein Konzert gibt.
Es kommt zwischen den dreien zu einer feucht-fröhlichen Verbrüderung. Doch sie behalt ihre Tugend.
Bis dahin – eine vortreffliche Filmposse, geschmackvoll, mit feinen und nachdrücklichen Nuancen; Spitzenfilm mit den großen Lach-Ereignissen, die man namentlich bei den parodistischen Gesangsvereinenszenen erlebt. Etwas billiger Humor – aber unwiderstehlich.
Dann fehlt vom berühmten Angel-Punkt des Films an – bei der Wendung ins letzte Drittel – am einzigen, ganz unmotiviert abgebrochenen Uebergang (der ersten Heimfahrtsszene nach dem Fest) der große Auslauf des Films, die Erhebung in die sogenannte zweite oder letzte Phase (die jeder durchschlagende Film braucht). Hier ist die zweite Phase mit einer leicht abgeflauten Komödie liquidiert; kein Einfall nach oben. Der Film denkt zu früh ans happy end.
Man tut der heiteren Wirkung des Films vielleicht unrecht, wenn man zu nachdrücklich an seine Mentalität erinnert: die zwar den Chef, den Personalchef mit seinen kleinen und großen Schwächen entzückend zu nutzen weiß, die aber in dem couragierten Tippfräuleinchen, das sich was Besonderes aus dem Lebensozean angeln will, eigentlich wieder nur eine verkappte Filmdiva herausstellt, mit entsetzlichen Ansichten, scheints, vom Leben . . ., die sich ins Tipsenkleidchen hüllt.
Dieser wertvolle deutsche Arbeitsmensch, diese Schreibmaschinen-Fräuleins (das Urbild der hunderttausend Tapferen) ist noch zu verfilmen.

Nun die Darstellung: ihr offensiver, Griesgram und Skepsis verscheuchender Wille überwindet alle Einwände. Die Schauspieler suggerieren Leben.
Ein Spiel-Erfolg von jedem einzelnen her: Renate Müller – wie entwickelt jetzt im Atelier!
Die Kamera gibt ihr die Süße der Banky, gut ihre eigene herbe Linie mildernd. (Otto Heller, Reimar Kunze). Das Mikrophon ist in ihre Stimme verliebt (Cupido am Verstärker: Hans Grimm). Denn von dieser Frauenstimme geht kein Hauch verloren. Ihr Pensionssingtönchen; na – lieber lassen. Aber der ganze Mensch, den sie ausspielt, den sie darstellt, ist gefaßt in Gesundheit, Anstand, Fidelität und Chik; sie ist kein „Berliner” Typ.
Sie deckt sich mit dem gar nicht erdfernen und vielleicht erreichbaren Ideal vieler netter junger Mädels und Frauen, die diesen Film sehen werden.
Sie ist eine deutsche Schauspielerin, unbetont dabei das „deutsch“, die „Schau”, das „Spiel” – und doch selbstverständlich. Sie wird dem Film zu einem ganz großen Sympathie-Erfolg verhelfen.

Dann Felix Bressart. Eine großartige Leistung von ihm. Wir glauben nicht, er nur eine „Mode“ ist. Er wird bleiben wie Adalbert, doch in vielseitigere und tiefere Bezirke dringen.
Wir haben wenige Darsteller, bei denen die störrische und doch bescheidene Einfalt so obsiegt. Das Subalterne, hier wird’s – sublime; oder ein Superlativ.
Er gibt also wieder einen verdrehten Bürodiener; nicht mit aufgetragener Komik in Haufen, verstrickt vielmehr in seine kindischen Eigenheiten, seinen Stolz aufs Vereinsdirigieren, seine plumpe Vertraulichkeit zum Chef, die Hundetreue für den „Schützling“. Welch eine Gestalt aus Schauspielerkraft; – einzigartig.
Und welch reizender Eindruck aus Bühnengewandtheit, Wiener Anmut und Sprachgewandtheit: Hermann Thimig. Fürwahr ein Chef, unter dessen Blick die Herzen wie die Schreibmaschinen klappern. Ludwig Stössel führt nach dem Triumvirat ein Ensemble mit vielen guten Typen an. Die Bauten, vom Produktionsleiter Georg Witt wird das Ganze in entsprechendem Rahmen gehalten, stellte Otto Hunte.

Wäre noch der Musik zu gedenken. Thiele setzt sie als rhythmisierende Untermalung ein (übrigens ist das nun auch nichts „Neues” mehr), läßt durch Paul Abraham die Illustrierung vornehmen. Abraham macht das korrekt, zweckentsprechend –er verblüfft nicht gerade durch originelle Wendungen. „Schlager“ sind dezent eingewoben; in Franz Schulz’ geschickten Dialogen gut gebracht. Texte: Robert Gilbert. Die „alte Tante“ ist nett besungen. Beinahe ein Schlager ist Abrahams „Ich bin ja heut so glücklich”
Hersteller und Verleiher des Films sangen es gestern bei der Uraufführung auch: so glücklich . . . über des Publikums entzündete gute Laune.

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