Delicatessen

Originaltitel: Delikatessen. Lustspiel 1930; 82 min.; Regie: Géza von Bolváry; Darsteller: Harry Liedtke, Ernő Verebes, Paul Hörbiger, Hans Junkermann, Ernő Szenes, Gustl Gstettenbaur, Danièle Parola, Georgia Lind; D. L. S.-Tobis-Film.

Der Direktor eines Delikatessenladens, Neffe des Chefs, veranstaltet eines Tages im Geschäft ein nächtliches Gelage und fliegt. Er geht nun zur Konkurrenz, bringt deren Geschäft auf die Höhe und handikapt schließlich den Onkel durch einen listigen Vertrag. Als Kompagnon der vereinigten Firmen heiratet er eine an den erwähnten Vorgängen nicht unbeteiligt gewesene junge Dame.

Zusammenfassung
Das Delikatessengeschäft von Paul Wallis ist eine Goldgrube, denn der Geschäftsführer Franz Hellmer ist ein Magnet, der alle jungen Mädchen in das Geschäft zieht. Herr Markow, der Konkurrent von jenseits der Straße, kann machen was er will, sein Laden bleibt leer. Bei Wallis ist jedoch immer weibliche Kundschaft, die von Franz Hellmer bedient sein will. Allerdings ist Franz, der stadtbekannte Kavalier und Lebemann, sehr wählerisch, nicht jeder Kundin erweist er die Ehre der persönlichen Bedienung, nur besonders hübsche bevorzugt er, die andern überläßt er dem ebenso galanten Kommis Bela Fein.
Und abends gehen beide bummeln. Bela hat einen eigenen Anknüpfungstrick: Er verfolgt die Erwählte des Abends, läßt kurz hinter ihr ein Goldstück fallen, und wenn dann die Dame sich umdreht, ist die Anknüpfung da ! Heute abend versucht er es bei einem hübschen Mädchen erfolglos, doch Franz rettet die Situation – für sich. Bela starrt ihm blöd nach, Franz kann die Dame nach Hause begleiten, doch ein Mann, der eine Frau nach Hause begleitet, geht gern noch ein Stückchen weiter mit ihr.
So sind beide im Kabarett „Zum grünen Papagei“ gelandet. Erstaunt muß Lilo erkennen, daß ihr Kavalier von allen Damen gegrüßt wird, und sarkastisch bemerkt sie, daß nur Eintänzer und Millionäre bei allen Frauen beliebt sind. Freimütig gesteht Franz, nur Geschäftsführer zu sein.
Dolly Reves, der Star des Kabaretts, tritt auf und singt ihr Lied „Delikatessen“, dessen Kehrreim das Haus begeistert: Es muß nicht Hummer sein mit Mayonnaise, Man kann auch glücklich sein bei Harzer Käse. Wenn man sich gerne hat und lieb zu Fressen, Sind Bockwurst und Salat Delikatessen.
Es muß nicht Hummer sein mit Mayonnaise,
Man kann auch glücklich sein bei Harzer Käse.
Und wenn man dann vielleicht noch Hunger hat,
Hab’ keine Bange, Schatz, wir küssen uns schon satt.
Ostentativ singt sie Franz an, sodaß schließlich Lilo die Laune verliert und nach Hause will. Franz begleitet sie zu ihrem Haus und beim Abschied versteht er es, von Lilo trotz allem für den nächsten Abend eine Einladung zum Essen in ihrer Wohnung zu erhalten.
Am nächsten Abend. In Wallis’ Delikatessenladen erscheint Lilo, um für den Abend einzukaufen. Franz sieht nur zwei hübsche Beine und eilt auf die Käuferin zu, um sie zu bedienen. Als er sie ansieht, erkennen sie sich: „Zwei Hummer“ bestellt Lilo, doch schnell verbessert sie sich, „nur einen, ich sehe, daß ich allein essen muß ! Verkäufer sein ist ein Beruf wie jeder andere . . . Wenn einer aber mehr aus sich macht, als er ist, dann ist er ein Hochstapler ! Schicken Sie die Ware ins Haus !“ Ohne ihn weiter eines Blickes zu würdigen, geht sie zur Kasse.
Franz ist starr vor Schreck.
Da der Hausdiener wieder einmal betrunken ist, muß Bela die Ware zu Lilo bringen. Durch ihn erfährt Lilo, daß Franz wirklich Geschäftsführer ist und zerspringen würde, wenn er Lilo, mit Bela heute abend im „Grünen Papagei“ treffen würde. Amüsiert folgt sie Belas Einladung.
Natürlich nehmen sie dicht neben dem Tisch Platz, an dem Franz sitzt und bald wird von Tisch zu Tisch geflirtet, bis Bela dem Sekt erliegt und Franz mit Lilo an einem Tisch sitzt. Es wird sehr lustig heute im Kabarett, und als die Polizeistunde da ist, ladet Franz die Gesellschaft zu sich in den Laden. – – Dort wird weitergetanzt und gelärmt, bis das Überfallkommando erscheint und alle zur Wache mitnimmt. Die Morgenpresse hat ihre Sensation ! – Natürlich fliegen Franz und Bela am nächsten Morgen, Herr Wallis wird sein Geschäft allein führen. Auch bei Lilo schlägts ein. Ihr Onkel entzieht ihr die monatliche Rente, damit sie arbeiten lerne. – Franz und Bela gehen zur Konkurrenz, zu Herrn Markow, der sie sofort engagiert. Kurz darauf erscheint Herr Wallis, um Markows Laden aufzukaufen. Markow berät sich heimlich mit seinen beiden neuen Angestellten, und schließlich macht er mit Wallis einen Vertrag, wonach dieser als Kaufpreis das Hundertfache des Markowschen Umsatzes der nächsten beiden Tage zu zahlen hat. – Lilo fragt bei Wallis nach Franz, der ihr jedoch keine Auskunft geben kann. Er bietet dem Mädchen in seinem Laden eine Stellung als Verkäuferin an und Lilo schlägt ein, als sie im Laden des Konkurrenten das große Plakat entdeckt „Geschäftsführer Franz Hellmer“. Sie will den Konkurrenzkampf mit Franz aufnehmen. – Das Geschäft von Markow ist nicht wiederzuerkennen. Die Mädchen drängen sich im Laden, während bei Wallis gähnende Leere ist. Doch Lilo hat eine Idee. Sie kündigt im Schaufenster Verlosung von Bonzo-Figuren und Delikateß-Körben an. Natürlich hat jetzt Wallis wieder das größere Geschäft. Doch Franz läßt sich von Lilo nicht ins Boxhorn jagen. Resolut setzt er die Verkaufspreise um 50 Prozent herab und am nächsten Tag verkauft Markow sein Warenlager mehr als zweimal aus – Am nächsten Morgen erscheint Wallis, vollständig gebrochen, bei Markow. Wenn Markow auf seinem Vertrag besteht, ist Wallis ruiniert. Doch Franz macht ihm einen Vorschlag. Die beiden Firmen werden zusammengelegt und Franz wird Geschäftsführer der vereinigten Firma. Gern gehen beide Chefs auf diesen Vorschlag ein, denn sie können nur dabei verdienen. Lilo wird natürlich sofort von Franz entlassen und als Hausfrau engagiert.

Kritik (-ner., Film Kurier #070, 03/21/1930):
Ein tönender Film des D. L. S. um Harry Liedtke. Kein Wunder, daß es am Schluß auch tönenden Applaus im Zuschauerraum gibt.
Harry als Heringsbändiger mit einem weißen Kittel angetan inmitten appetitlicher Delikatessen und appetitlicher Frauen. So etwas gefällt immer. Zumal Harry, der Herr Direktor vom Delikatessenhaus, auch nebenbei einen frisch-fröhlichen Lebemann in der Bar agieren darf.
Franz Schulz verquickt diese, beiden Welten, die Welt der zu kaufenden Delikatessen und die Welt der konsumierten Genüsse in einem für Liedtke und Bolvary etwas reichlich kompakt gebauten Manuskript.
Doch es gibt Anlaß für lustiges Ladentreiben, für den Wettbewerb eines gutgehenden Geschäftes mit der leidvollen Konkurrenz vis-à-vis. Und zugleich Anlaß für Couplets und Bühnenschaueinlagen, geschickt im Ton von E. Seeger und Max Brinck aufgenommen.
Der Zuschauer kommt auf seine Kosten: mondäner Barbetrieb im von Neppach und scharfgebauten Etablissement, eine lustige amerikanische Straßenband, ein Violinclown, tanzende und singende Girls und vor allem – das einprägsame Schlagerlied der Delikatessen „Es muß nicht immer Hummer sein“, das in diesem von Hummer und Sekt aus gesehenen Milieu die tröstliche Versicherung bringt, „man kann auch glücklich sein bei Harzer Käse“.
Geza von Bolvary hat besonders glückliche Momente, wenn er – ausgezeichnet von der Kamera Willy Goldbergers gestützt – ein tolles Durcheinander bringen kann: ein vergnügliches Sauf- und Tanzgelage zu nächtlicher Stunde im Delikatessenladen, vom Ueberfallkommando jäh gestört. Oder Harry in köstlicher Situation als Ladennapoleon, hoch über einer Heerschar von Hausfrauen, die bei ihm zu halben Preisen kaufen kann, (Vorher, neben der Wochenschau, sah man ähnliches. Harrys königlicher Empfang in Breslau; Harry, umgeben von einer erdrückenden Menschenmasse mitsamt einem Kordon bemühter Schupoleute.)
Neben Harry holt sich Ernst Verebes Beifall. Heute bereits von einer Komik, die das Detail nicht mehr forciert, die ganz natürlich geworden ist. Eine gute Type bringt auch Hörbiger, der einen ewig betrunkenen Hausdiener mimt. Dazu der rundliche Ernst Senesch. Hans Junkermann, der bewährte, und Gust. Stark-Gstettenbaur als quicker Lausbubenlehrling.
Daneben die beiden Frauen des Films: Georgia Lind als gliederverrenkende Chansonette und die noch etwas farblose Daniela Parola.
Die ansprechende synchronisierte Musik von Pasquale Perris kommt gut zur Geltung. Es gab stürmischen Beifall.

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