Ronny

Originaltitel: Ronny. Operette 1931; 89 min.; Regie: Reinhold Schünzel; Darsteller: Käthe von Nagy, Willy Frisch, Otto Wallburg, Olly Gebauer, Kurt Vespermann, Hans Wassmann, Aribert Wäscher, Willy Grill; Ufa-Klangfilm.

Ronny, eine Kostumzeichnerin kommt in eine kleine Residenz, wird für die erwartete Diva des Hoftheaters gehalten, ersetzt diese bei der Erstaufführung einer vom Landesfürsten komponierten Operette. Die Kamarilla will sie zu seiner offiziellen Geliebten machen: Ronny ist empört, der Fürst enttäuscht Später sprechen sie sich aus.

Zusammenfassung
Ronny ist jung, hübsch, begäbt, arm, ehrgeizig und erwartungsvoll.
Oft hab’ ich vom Glück geträumt,
Oft hab’ ich das Glück versäumt . . . .
Warum soll das große Glück nicht mal zu der kleinen Kostümzeichnerin kommen, die sich die originellsten Theaterkostüme einer Welt von Flitter, Phantasie lebt. . .
Gerade jetzt hat sie wieder Kostüme entworfen zu der Operette, die der junge Fürst von Perusa höchstselbst komponiert hat, und der dicke fürstliche Theater-Intendant, der aus Perusa bei beigeeilt Ist, scheint zufrieden mit dem Schmig der genialen kleinen Künstlerin und – mit ihrem hübschen Gesicht. Die Sache ist wichtig auch für das Geschäft, und
Ronny soll daher selbst die Kostüme in Perusa abliefern. Anton, das Faktotum, soll sie begleiten Strahlend vor Glück klettert Ronny mit ihren zahlreichen großen Koffern in die Bahn, auf die Reise in die unbekannte Welt – vielleicht ins Glück ….
Einmal schlägt die Stunde auch für mich,
Denn auch ich muß ja einmal glücklich sein,
In Perusa wartet inzwischen der ganze Hof mit größter Spannung auf den Eisenbahnzug. der nicht nur die erwarteten Kostüme sondern auch die Sängerin der Hauptrolle des fürstlicher Stückes bringen soll. Der Hofmarschall und die Minister setzen große Hoffnungen auf die aus Paris mit beträchtlichen Unkosten verschriebene Nachtigall, denn der Fürst hat sich zwar viel mit Kunst, aber wenig mit Künstlerinnen beschäftigt. Es fehlt eine Pompadour in Perusa, wo man auf Tradition hält und nicht gern sieht, wenn das kokette kleine Lustschloß Monbijou verwaist ist. Es läßt sich so sehr viel besser im trüben fischen, wenn der Fürst in süßen Banden schmachtet und die Herren Minister nach ihrem Geschmack die Regierungs-und andere Geschäfte erledigen können.
Mühselig keucht das asthmatische Bühnchen der Residenz entgegen. „Ich schaff’s nicht mehr!” röchelt die Lokomotive, und auch der Lokomotivführer, der es heute eilig hat, denn seine Frau erwartet ein Kind. Daher geschieht das Unfaßbare – der Zug kommt pünktlich in Perusa an, nicht mit zwei Stunden Verspätung wie sonst immer. Am Bahnhof ist nur Bomboni, der Mann mit den vielen Ämtern und Mützen, und der ist nicht weiter erstaunt, als Ronny und Anton mit den vielen Koffern aus dem Zug klettern. Auf dem Wege zum Hotel trifft Ronny einen sehr sympathischen jungen Mann, der sich ihrer ritterlich annimmt. Es ist der junge Fürst und Komponist in höchsteigener Person; er hält die hübsche junge Dame für die angekündigte Sängerin, ist entzückt und gratuliert dem Intendanten zu seiner geschickten Wahi. Der fällt aus allen Himmeln, denn die richtige Sängerin hat grade abtelegrafiert, und der Intendant sah sich schon verabschiedet und in Ungnade, Er stürzt zu Ronny und beschwört sie, die Rolle doch zu singen, zumal sie das Stück ja beinahe auswendig kenne. Ronny willigt zögernd ein. Der Fürst inszeniert sein Stück selbst, und seine neue Primadonna gefällt ihm immer mehr, ja, er verliebt sich sogar in sie.
Das ist ein geheimnisvolles Walten, Das zwei Menschen sich so finden läßt.
Die Proben werden immer feuriger, die Minister triumphieren, Schloß Monbijou wird bald wieder eine Herrin haben.
Die ganze Residenz erwartet mit Spannung die Premiere. Ronnys Herz zittert vor Lampenfieber, von dem auch der fürstliche Komponist nicht verschont bleibt. Aber es wird ein großer Erfolg . .
In Monbijou strahlen die Lichter in festlichem Glanz, und nach der Premiere geleiten die Minister die glückstrahlende junge Sängerin in das entzückende Liebesnest der Favoritinnen.
Als Ronny merkt, was man ihr zumutet, ist sie empört und tief enttäuscht. Dem Fürsten, der glaubt, sie kaufen zu können, wird sie gründlich die Wahrheit sagen und dann – auf und davon, zurück in die Heimat. Aber auch der junge Fürst ist unglücklich, seine kleine Ronny, die begabte Künstlerin, die entzückende Frau, ist ein käufliches Weib, das sich zur bezahlten Favoritin hergibt. So stehen sich die beiden gegenüber. Jeder wütend auf den anderen, und Ronny legt zuerst los. Voller Freude hört der Fürst, daß sie das Anstaben der Minister empört ablehnt; aber ehe er versichern kann, daß er ebenso denkt, verläßt sie ihn und die Residenzstadt mit der Eisenbahn. Der Fürst ist glücklich, als er ihre Worte hört. Es gelingt ihm, den Eisenbahnzug mit dem Auto einzuholen. In einem Coupé schließt er Ronny in seine Arme.

Kritik (-g., Film Kurier #300, 12/23/1931):
Was wir bisher im Tonfilm als „Operetten“ aufgetischt bekamen, waren im Grunde genommen Lustspiele mit Schlager-Einlagen. Die Ufa hat mit diesem neuen Film den Versuch unternommen, einmal einen Tonfilm im Stile einer wirkliche Operette zu drehen, mit großen Aktschlüssen und durchgehender, einheitlich komponierter Musik. Es fehlt nur noch das große Finale.
Das Musikalische hat an diesem neuen Film einen stärkeren Anteil als sonst. Emmerich Kalman, einer der Großen im Fach der Bühnen-Operette, hat die Musik geschrieben. Bei aller einschmeichelnden Flüssigkeit der Melodien spürt man doch den Notengriffel eines Künstlers, der nicht nur dem großen Schlagererfolg nachläuft, sondern eher Wert darauf legt, daß seine Arbeit als Ganzes Wert besitzt.
Zu diesem nahezu hundertprozentigen Operettenstil gehört natürlich auch ein zünftiges Operettenlibretto. Aus der rauhen Wirklichkeit flüchten sich Bühne und Film so gern in die alten verlorenen Residenzen – mit den liebenswerten Fürsten und den schrulligen Bediensteten. Und je puppiger der Hofstaat ist, und je zinnglänzender die Soldaten und je unwirklicher der ganze Betrieb, um so besser gefällt’s, Texte: Schanzer und Welisch.

Perusa hat einen jungen Fürsten, der ist seinen Ministern gefährlich unfürstlich. – Er versucht immer wieder, sich um etwas zu kümmern, er hat keine Freude an Uniform und falscher Würde, dafür komponiert er und ist ein frischer, aufgeweckter Junge.
Eine junge Kostümzeichnerin, die Titelheldin Ronny, wird nach Perusa verschlagen und veranlaßt, für die absagende Sängerin bei der Premiere des fürstlichen Bühnenwerkes einzuspringen. Sie wird für würdig befunden, dem Fürsten eine Mätresse und den Ministern eine Handlangerin für allerhand dunkle Geschäfte zu sein
Das große Annäherungs-Souper im fürstlichen Lustschloß wird mit erheblichem Pomp in Szene gesetzt. Nur zwei können sich für die ganze Idee wenig begeistern: Ronny und der Fürst. Sie ist empört über die Zumutung, als aus Staatsmitteln erhaltene, pensionsberechtigte Kokotte zu fungieren, und er wiederum ist sehr traurig darüber, daß das liebe nette Mädel derartige Geschäfte macht. Es kommt zu einem Krach, dann zu einer Aussprache und schließlich zum glücklichen Ende. Der Phantasie des Besuchers bleibt es überlassen, ob sich Ronny und der Fürst heiraten, oder was sonst mit ihnen wird und wie schlecht den Ministern ihr Komplott bekommt und was überhaupt der Herr Fürst mit seinem verlotterten Staat anzufangen gedenkt.
Emmerich Preßburger und Reinhold Schünzel sind die Autoren dieser Liebesgeschichte.

Reinhold Schünzel brilliert mit einer Reihe amüsanter Regie-Pointen. Das Kleinbahnidyll wird in aller Bimmel-Herrlichkeit geschildert. Die Statuen eines Parkes, Denkmäler der verflossenen Mätressen, werden lebendig und jazzen durch die Gegenwart. Hier prasselt starker Beifall.
Tanzfreudige Girls werden von Schünzel oft und erfolgreich eingesetzt. Bildhaft reizvoll der Abschied der Modistinnen für die scheidende Ronny und die dahingleitenden Paare vor der Schloßwache
Die Starbesetzung dieses Films wird ihm den großen Zulauf sichern. Käthe von Nagy und Willy Fritsch, bewährtes Paar aus „Hoheit befiehlt“, spielen die Hauptrollen.
Fritsch kann einen neuen Triumph buchen. Er ist wirklich der charmanteste, lustige, netteste Junge, der zwischen deutschen Atelier-Wänden filmt. Wie wenig „mimt“ er, und wir wirkungssicher ist doch jedes Lächeln, jede Handbewegung, jedes Hutgeraderücken.
Die Nagy ist reizend, wenn sie die Nagy ist. Wenn sie frisch, frech und temperamentvoll drauflosplappert und einigen Wirbel in die Hofgesellschaft bringt. Warum zwingt man sie szenenweise zu schmelzender Sentimentalität oder zu vamphaft-verächtlicher Pose? Die Harvey ist die Harvey und die Dietrich die Dietrich und die Nagy, Gott sei Dank! unsere Käthe von Nagy.
Viele dankbare Rollen nebenher. Für Wallburg als blubbernden, quecksilbrigen Intendanten, für Waßmann als datterigen Hofmarschall, für Wäscher als abgefeimten Kanzler, für Wolfgang von Schwind als trotteligen Kriegsminister.
Sehr lustig Kurt Vespermann als Bahnbeamter, der ein Dutzend Posten in stets wechselnder Uniform ausfüllen muß. Olly Gebauer ganz Bühnen-Soubrette.
Ein neuer Mann: Willi Grill. Mit einem Humor, extra dry!
Ein Bühnenmann, Benno von Arent, hat gebaut, zusammen mit Werner Schlichting. Die Bauten tragen viel zu der graziösen Gesamtwirkung bei. Ein Kabinettstück, die vorsintflutliche Lokomotive.
Fritz Arno Wagner ließ all die Herrlichkeiten dieses Films in klaren Bildern erstrahlen. Für den Ton zeichnet Hermann Fritzsching.
– und so tanzt „Ronny“ beifallumrauscht ins neue Jahr – und überall werden vergnügte Herzen sich ihrer freuen.

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